Bandscheibenvorfall im Halswirbel-Bereich – was nun? Operation oder Krankengymnastik?

Kennen Sie diese quälenden Schmerzen? Ziehen vom Halswirbel direkt in den Arm. Man weiß nachts nicht mehr, wie man schlafen soll bzw. sich hinlegen soll und morgends nach dem Aufstehen sind die Schmerzen nicht auszuhalten. Dann haben Sie wahrscheinlich genauso wie ich einen Bandscheibenvorfall zwischen zwei Halswirbeln. Was wollen Sie jetzt tun? Lieber erst einmal Krankengymnastik oder gleich die Operation? Dazu möchte ich Ihnen gerne meine Geschichte erzählen, die dazu geführt hat, dass ich heute nach relativ kurzer Zeit wieder schmerzfrei bin.

Vor eineinhalb Jahren habe ich mit dem Reiten angefangen. Wenn Sie auch Reiter sind, bekommen Sie jetzt bitte keinen Schreck. Ich bin gestern das erste Mal wieder nach sechs wöchiger Abstinenz auf mein Pferd gestiegen und wieder durch die Halle galoppiert. Und ich hab’s zum ersten Mal seit langem wieder schmerzfrei genossen. Mit einem Bandscheibenvorfall zu reiten – davon wird Ihnen vielleicht schon jemand abgeraten haben. Meine Erfahrung dazu ist, dass man mit akuten Rückenschmerzen, stammen Sie vom Halswirbel oder vom Lendenwirbel, niemals auf ein Pferd steigen sollte. Denn meine Schmerzen sind durch meine zum Teil disharmonischen Bewegungen immer schlimmer geworden und haben dazu geführt, dass die Bandscheibe tatsächlich „vorgefallen“ ist. Als Rehabilitationsmaßnahme ist Reiten jedoch hervorragend (wie gesagt, immer nur, wenn man schmerzfrei ist). Denn das gerade Sitzen und die Anspannung im Rücken sind sicherlich als sportliche Betätigung, die eine Stärkung der Rückenmuskulatur zur Folge hat, nicht verkehrt. Immer vorausgesetzt, Sie sind entweder ein erfahrener Reiter oder haben eine(n) hervorragende(n) Trainer(in).

Aber zurück zu meinem Bandscheibenvorfall. Nachdem ich sieben Wochen mit immer schlimmer werdenden Schmerzen zu kämpfen hatte, beschloss ich, nun endlich mal zum Arzt zu gehen (Männer zögern den Arztbesuch offensichtlich immer ein wenig länger raus als Frauen, oder?). Mein Hausarzt empfahl Herrn Dr. Pfeiffenberger in Bremen-Schwachhausen.

Nachdem ich zunächst geröntgt worden war, versuchte mich der Orthopäde einzuränken, was ihm zunächst spürbar auch gelang. Am nächsten morgen nach dem Aufstehen hatte ich jedoch wieder diese Schmerzen, so dass ich zwei Tage darauf wieder zum Arzt ging. Diesmal machte er ein paar Übungen mit meinem Arm, verschrieb mir Schmerzmittel und schickte mich zur Kernspintomografie.

Die nächsten beiden Besuche beim Orthopäden Herrn Dr. Pfeiffenberger verliefen ähnlich, nur dass ich noch zusätzlich eine Kortisonspritze bekam sowie Kortisontabletten einnehmen sollte. Alles half immer nur bedingt. Meistens morgends hatte ich, wie gesagt, extreme Schmerzen, die mich auch nicht mehr konzentriert arbeiten ließen. Auf den Bildern der Kernspintomografie konnte man nun eindeutig erkennen, dass ich nach Aussage des Arztes „keinen unerheblichen Bandscheibenvorfall“ hatte.

So langsam fing ich an, mich im Internet über meine Krankheit schlau zu lesen. Da war von Kliniken die Rede, die wahre Wunderheilmethoden anboten, die aber meistens nicht von der Krankenkasse als gängige Verfahren akzeptiert bzw. zu weit weniger als 100% finanziert wurden. Und so beschloss ich, wieder zum Orthopäden zu gehen. Nur am Rande sei erwähnt, dass man in Bremen bei Ärzten mit gutem Ruf nicht selten zwei Stunden warten muss. Aber für seine Gesundheit nimmt man das ja gerne in Kauf, oder?;-)

Mein Arzt schien mir zum ersten Mal nicht ganz so sicher zu sein wie sonst und wollte sich gerne, so drückte er sich aus, „eine zweite Meinung eines Neurochirurgen einholen“. Nach meiner Überweisung bekam ich zeitnah einen Termin im sehr netten Sekretariat von Herrn Dr. med. Jochen Kiemle, Facharzt für Neurochirurgie in der Paracelsus-Kurfürstenklinik, Bremen. Dort angekommen, bekam ich sofort einen positiven Eindruck, in welcher Art und Weise Dr. Kiemle mit seinen Patienten sowie mit seinem Kollegen Herrn Dr. med. Wolfdietrich Boos, den er zu einer kurzen und sehr freundlichen Unterredung auf dem Flur traf, umging.

Auch bei diesem Arztbesuch musste ich zunächst wieder einfache Übungen mit meinem linken, sehr schmerzenden Arm machen, damit Dr. Kiemle erkennen konnte, inwieweit schon Lähmungserscheinungen oder ein Kraftverlust vorhanden sein würden. Danach erklärte er mir, welche Möglichkeiten es gäbe, OP oder konservative Massagen bzw. Wärmetherapie und Krankengymnastik. Ich war sehr beruhigt, als mir der Doktor zunächst zur konservativen Therapie riet, da ich vor einer Operation ziehmlichen Respekt (um es vorsichtig zu beschreiben;-)) besaß.

Nach zehn Tagen Krankengymnastik, die zwar angenehm war, jedoch gegen den Bandscheibenvorfall nicht so recht helfen wollte, musste ich immer wieder an die Worte von Herrn Dr. Kiemle denken, der in unserem ersten Gespräch nach Ansicht meiner Kernspinbilder gesagt hatte:“Dieser Bandscheibenvorfall kann mit Massagen und Gymnastik zwar gehemmt werden, wird aber niemals zurückgehen können.“ Diese Worte sowie die vertraulich und sehr erfahren wirkende Art von Herrn Dr. Kiemle überzeugten mich schließlich, eine Operation über mich ergehen zu lassen. Und ich muss sagen:“Es war eine der besten Entscheidungen meines bisherigen Lebens!“

Nachdem das Krankenhaus einige Blutwerte sowie ein aktuelles EKG von mir abverlangt hatte, wurde ich nach der Aufnahme am nächsten Morgen mit einer „Sch…-Egal-Tablette“ gefüttert und die Operation begann. Während der einstündigen OP wurde zunächst die Entzündung abgesaugt und ein sogenanntes Körbchen aus Kunstoff zwischen die Wirbelkörper gesetzt, das den Abstand zwischen den Wirbeln wahren soll. Sehr beruhigend war auch hier die Methode, und zwar, dass Herr Dr. Kiemle von vorne am Hals einen kleinen etwa 5cm langen Schnitt machte. Auf diese Weise, so erklärte er mir, kommt er wesentlich besser an die Entzündung heran, richtet nicht so viel „Flurschaden“ an und das Risiko, Rückenmark oder Nerven zu verletzen ist bei dieser Operationsmethode sehr gering.

Nach etwa zwei Stunden wurde ich aus der Narkose wach. Als erstes bewegte ich meinen linken Arm, um zu spüren, ob noch ein Schmerz vorhanden war. Erstaunlicher Weise war von der ersten Minute nach der OP an kein Schmerz mehr zu merken. Lediglich das Kribbeln in Daumen und Zeigefinger, das ich zuletzt noch zusätzlich verspürt hatte und das etwas schlaffe Gefühl im Arm, sollten erst einige Tage später verschwinden. Als einzigen Schmerz verspürte ich eine Art sehr starken Muskelkater im Nackenbereich, der wohl vom Überstrecken des Kopfes während der OP rührte und Halsschmerzen, die nach Aussage des Doktors vom Beatmungsschlauch der Narkoseärztin kamen.

Heute, etwa drei Wochen nach der OP kann ich Ihnen berichten, dass ich mit der Operation und dem Ergebnis sehr zufrieden bin. Hin und wieder verspüre ich noch ein kleines Zwicken im Nacken bzw. in der Halswirbelsäule, das aber sicherlich nach Abschluss der Rehamaßnahmen, die noch etwa zwei Wochen dauern sollen, ganz abgeklungen sein sollte.

Abschließend kann ich Ihnen bei einem akuten Bandscheibenvorfall, der so stark ist, das er durch konservative Maßnahmen nicht in den Griff zu bekommen ist, nur eine Operation eines Arztes Ihres Vertrauens empfehlen. Wenn Sie sich mit Ihrer Arztwahl unsicher sind, würde ich Ihnen Herrn Dr. med. Jochen Kiemle ans Herz legen. Übrigens lagen auch die Schwestern, alle anderen Mitarbeiter im Krankenhaus sowie das Essen meiner Meinung nach weit über dem Durchschnitt anderer Krankenhäuser, so dass ich die Paracelsus-Kurfürstenklink in Bremen nur empfehlen kann.

Und was haben Sie bisher erlebt? Schreiben Sie mir doch bitte einfach in diesem Blog über Ihre Erfahrungen oder stellen Sie mir gerne Fragen zum Thema. Ich werde versuchen, sie so gut wie möglich zu beantworten.

Übrigens richtig aufregen konnte ich mich vor allem über die Leute, die irgendwo in der Verwandschaft 100 prozentig jemanden kennen, der schon einen Bandscheibenvorfall gehabt hat. Die reinsten Horrorgeschichten wurden mir erzählt: „Sei bloß vorsichtig. Das kann bis zur Lähmung führen“ oder „mit einer Operation an der Wirbelsäule ist nicht zu spaßen…“. Sehr beruhigend ist es doch da, sich offensichtlich für den richtigen Arzt und die richtige Operationsmethode entschieden zu haben, oder?

Ihr Rouven Rieper

101 thoughts on “Bandscheibenvorfall im Halswirbel-Bereich – was nun? Operation oder Krankengymnastik?

  1. Hallo N.Gutheil!

    Bei mir war es ja auch so, dass die Schmerzen praktisch sofort und die Lähmungserscheinung relativ schnell verschwunden waren. Natürlich muss man immer für sich selbst entscheiden, ob man eine OP will. Bei mir war es im Nachhinein betrachtet die richtige Entscheidung.

    Wünsche Ihnen alles Gute und baldige Genesung!

    LG
    Rouven Rieper

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